Mit einem Kleingarten an der Ruhr gehört der Kartoffelanbau zu den Alltagsfreuden. Im Überflutungsgebiet gilt: Schnell rein, schnell raus. Annabell ist die Haussorte auf dem kleinen Ackergrund. (Wie nett das Kartoffeln Frauennamen tragen, oder?) Das Vincent van Gogh mit den Kartoffelessern ein borstig, zartes Gemälde geschaffen hat als Ode an den gemeinsamen Tisch ist Grund genug das Bild zu besuchen. Es hat ein eigenes Haus bekommen. Aus Backstein mitten im Ort aus dem der Maler um die Welt zog um dann wieder zurückzukehren. Nuenen heißt der Ort. Er liegt nahe Eindhoven. Entstanden ist ein kleines Museum, eher eine Begegnungsstätte, mit erzählerischen Komponenten, Spiel- und Lernstationen und einer starken Verknüpfung von Landschaft und Leuten. Lichtsetzung wird geschult und die Kopfweiden der Gegend springen über Leinwände. Am Ende sind wir nicht nur klüger sondern werden die Kartoffelernte und den Boden anders betrachten. Van Gogh hat sein Leben gegeben für eine spröde und klare Ansicht der Welt. Ein mehr als harter Kampf. Zuhause denken wir: Wie lecker sind Kartoffen mit Butter und Salz von einem Teller ohne großes Getue. Die Backsteinhülle mit den kleinen, bunten Sprenkeln die den Ort gänzlich und ohne Arroganz umfängt ist gut gewählt. Handwerk und Landschaft, Menschen, Farbe und Licht hat van Gogh zusammen gedacht. Verkäuflichkeit hat er vernachlässigt. Wer hängt sich schon die Armut der Leute an die Wand wenn sie einem auch noch den Rücken zudrehen? Der Maler hält es für sein bestes Werk. Mit Recht. Berühmter sind andere Werke. Auch gut. Mein Professor an der RUB hat von Materialien gesprochen die in Würde altern. Backstein gehört sicher dazu. Zeitlos schön.  Und das sich in der Dauerausstellung auch ein paar Nester finden freut mich auch. 

„Ich mache immer, was ich noch nicht kann, um es zu lernen.“ Vincent van Gogh